Am 15. März 2002 feiert der IPP-Bereich Plasmadiagnostik
in Berlin sein 10jähriges Bestehen. Als Beitrag zum "Aufbau
Ost" in der Wissenschaft wurde er im Januar 1992 von der Max-Planck-Gesellschaft
zusammen mit dem Land Berlin als Außenstelle des im bayerischen
Garching angesiedelten Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik (IPP)
gegründet. Die 50 Mitarbeiter kamen aus den plasmaphysikalischen
und fusionsorientierten Abteilungen des Zentralinstituts für Elektronenphysik
(ZIE) der ehemaligen Akademie der Wissenschaften der DDR.
Ebenso wie die Institutsteile in Garching und - seit 1994 - in Greifswald
befasst sich der Berliner Bereich mit Untersuchungen zur Kernfusion. Ziel
ist es, die Energiequelle von Sonne und Sternen, die Kernverschmelzung,
zur Stromerzeugung in einem Kraftwerk nutzbar zu machen. Zum Auslösen
der Fusionsreaktionen muss ein dünnes ionisiertes Gas - ein sogenanntes
Plasma - in einem Magnetfeldkäfig eingeschlossen und auf hohe Temperaturen
aufgeheizt werden. Internationale Anerkennung fanden die Mitarbeiter des
ZIE, die in diesem Rahmen - vor allem in Zusammenarbeit mit sowjetischen
Fusionslaboratorien - Spezialfragen zur Wechselwirkung des heißen
Plasmas mit der Gefäßwand untersuchten und dazu Messverfahren
und -apparate entwickelten. Hierfür boten sich nach der Wende die
Großexperimente des IPP als Arbeitsfeld an.
Ein Teil der Arbeit des Bereichs Berlin ist daher direkt in die Garchinger
Forschungsprogramme an den Experimenten ASDEX Upgrade und WENDELSTEIN
7-AS eingebunden. So betreibt der Bereich an ASDEX Upgrade einen Manipulator
und ein Spektrometer zur Analyse der Plasmarandes. Der Manipulator fährt
Messfühler zur Bestimmung von Temperatur und Dichte kurzzeitig in
die Randschicht des Plasmas hinein. Mit dem Randschichtspektrometer werden
Verunreinigungen im Plasma nachgewiesen und deren Transport- und Abstrahlungseigenschaften
untersucht. An WENDELSTEIN 7-AS betreut der Berliner Bereich die Infrarot-Thermografie,
mit der die Wärmebelastung besonders beanspruchter Bauteile bestimmt
wird. Auch an der Vorbereitung der neuen Fusionsanlage WENDELSTEIN 7-X
im IPP-Teilinstitut Greifswald, dem der Bereich Plasmadiagnostik seit
1999 organisatorisch zugeordnet ist, sind die Berliner wesentlich beteiligt.
In Berlin betreibt der Bereich eigene experimentelle Apparaturen: Was
ansonsten nur mit hohem Aufwand möglich ist - zum Beispiel in großen
Beschleunigern - gelingt in der Berliner Ionenfalle EBIT vergleichsweise
einfach. Die nur einen Meter hohe Ionenfalle - die erste Anlage ihrer
Art in Europa - erzeugt und speichert hochionisierte Atome. Teilchen dieser
Art kommen in den Plasmen von Sternen ebenso vor wie in irdischen Fusionsplasmen.
Für ihre Analyse bietet die Ionenfalle einzigartige Möglichkeiten:
Mit vergleichsweise geringem Aufwand kann praktisch jedes Element des
Periodensystems in beliebig hohe Ladungszustände überführt,
für Stunden gespeichert und untersucht werden.
Neben der Ionenfalle wird in Berlin ein Ultrahochvakuum-Labor zur Analyse
von Materialien für Fusionsanlagen betrieben sowie der Plasmagenerator
PSI-2: Die Anlage erzeugt Plasmen, die dem Randplasma der Fusionsexperimente
ähnlich sind. Während jedoch die Fusionsplasmen jeweils nur
für einige Sekunden erzeugt werden, wird das Plasma im Plasmagenerator
für viele Stunden aufrechterhalten. So können an der Anlage
neue Messverfahren entwickelt und erprobt sowie Materialien unter hoher
Wärmebelastung getestet werden.
Die Mitarbeiter des Bereiches werden noch bis Ende 2003 in Berlin beschäftigt
sein. Anschließend wird der größte Teil nach Greifswald
umziehen, um dort das Fusionsexperiment WENDELSTEIN 7-X vorzubereiten.
Der kleinere Teil wird in den Fachbereich Physik der Humboldt-Universität
Berlin überwechseln, mit dem bereits jetzt enge Beziehungen bestehen.
So ist der Leiter des Berliner Bereichs, Prof. Dr. Gerd Fußmann,
sowohl Wissenschaftliches Mitglied des IPP als auch Professor an der Humboldt-Universität.
Isabella Milch
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Max-Planck-Institut für Plasmaphysik
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