Supraleitende Magnetspulen werden in Deutschland und Italien
hergestellt
18.12.1998
Einer der wichtigsten Industrieaufträge zum Bau des Fusionsexperiments
WENDELSTEIN 7-X wurde vergeben: Der Vertrag zur Herstellung von 50 supraleitenden
Magnetspulen - dem Kernstück der Anlage - wurde am 18. Dezember mit
dem deutsch-italienischen Konsortium Noell/Ansaldo geschlossen. Hauptauftragnehmer
ist die Firma Noell-KRC Energie- und Umwelttechnik GmbH in Würzburg.
Mit einem Volumen von über 100 Millionen Mark handelt es sich um
die größte Einzelbeschaffung in der Geschichte des Max-Planck-Instituts
für Plasmaphysik (IPP). 45 Prozent dieser Kosten übernimmt die
Europäische Union im Rahmen des Europäischen Fusionsprogramms,
rund 50 Prozent der Bund und rund 5 Prozent das Land Mecklenburg-Vorpommern.
Hier soll WENDELSTEIN 7-X ab 2005 im IPP-Teilinstitut Greifswald betrieben
werden.
Während der kommenden fünf Jahre wird nun rund die Hälfte
der Spulen bei der Firma Noell in Würzburg hergestellt, die übrigen
bei dem italienischen Partner Ansaldo in Genua. Mit dem Bau einer Prototyp-Spule
hatten beide Firmen bereits Erfahrungen mit der hochanspruchsvollen Fertigungstechnik
derartiger Komponenten gesammelt (siehe
IPP-Presseinformation
7/98). Die fertigen Spulen werden anschließend einer Funktionsprüfung
im französischen Forschungsinstitut CEA/Saclay nahe Paris unterzogen.
Prof. Klaus Pinkau, der wissenschaftliche Direktor des IPP, zeigte sich
bei der Vertragsunterzeichnung erfreut darüber, "daß der Fertigungsauftrag
- abgesehen von seiner Bedeutung für die wissenschaftliche Arbeit
des IPP - dazu beiträgt, sowohl Arbeitsplätze in Bayern zu sichern
als auch den Aufbau der Wissenschaft in den neuen Bundesländern zu
fördern und damit auch dort langfristig neue Arbeitsplätze zu
schaffen".
Ziel der Fusionsforschung ist es, die Energieproduktion der Sonne auf
der Erde nachzuvollziehen und aus der Verschmelzung von Atomkernen Energie
zu gewinnen. Brennstoff ist ein dünnes Wasserstoff-Plasma, das zum
Zünden des Fusionsfeuers in Magnetfeldern eingeschlossen und auf
Temperaturen über 100 Millionen Grad aufgeheizt wird. Aufgabe von
WENDELSTEIN 7-X ist es, die Kraftwerkseignung von Fusionsanlagen des Typs
"Stellarator" zu zeigen. Das technische Kernstück sind 50 nicht-ebene,
supraleitende Magnetspulen. Mit ihrer speziellen Formgebung sollen sie
einen verbesserten, d.h. besonders stabilen und wärmeisolierenden
magnetischen Käfig für das Plasma erzeugen. Der Baufortschritt
der Spulen bestimmt den Terminplan des gesamten Aufbaus: Im Jahr 2005
soll WENDELSTEIN 7-X in Betrieb gehen.
Weitere Informationen erhalten Sie bei:
Max-Planck-Institut für Plasmaphysik
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