Nachruf auf Klaus Pinkau

Ehemaliger Wissenschaftlicher Direktor und emeritiertes Wissenschaftliches Mitglied des IPP im 91. Lebensjahr verstorben
 

Das Max-Planck-Institut für Plasmaphysik trauert um Professor Dr. Drs. h.c. Klaus Pinkau, den ehemaligen Wissenschaftlichen Direktor des Instituts und emeritiertes Wissenschaftliches Mitglied, der am 15. Oktober 2021 im 91. Lebensjahr verstarb. Klaus Pinkau hat in Tübingen und Hamburg Mathematik und Physik studiert, in Bristol promoviert und anschließend im Jahr 1963 in Kiel habilitiert. Danach ging er als Professor an die Louisiana State University und wurde im Jahr 1966, im Alter von nur 35 Jahren, zum Wissenschaftlichen Mitglied am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik berufen.

Klaus Pinkaus weites Tätigkeitsfeld reichte von der Kernphysik über Astronomie und Fusionsforschung bis hin zu grundsätzlichen Fragen von Wissenschaftsmanagement und Politikberatung. Am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik, das er von 1972 bis 1977 als Direktor leitete, etablierte er den in der Bundesrepublik neuen Forschungszweig der Hochenergie-Astronomie. 1981 wechselte er von den Plasmen im Weltraum zu den Fusionsplasmen des Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik in Garching, das er bis 1999 als Wissenschaftlicher Direktor leitete. Hier startete gleich zu Beginn seiner Tätigkeit die Diskussion eines Zukunftsprogramms. Die daraus erwachsenen Programmvorschläge wurden in der Schrift „The Aims of IPP“ zusammengefasst und bestimmen die Arbeiten des IPP bis heute. In einem ambitionierten Tokamak-Programm sollte zunächst das existierende ASDEX-Experiment ausgebaut werden und dann der heutige ASDEX Upgrade folgen. Parallel wurde das Stellarator-Programm für die Zukunft des IPP festgeschrieben, das über Wendelstein 7-A und Wendelstein 7-AS im Vorschlag zum Bau des heute betriebenen Wendelstein 7-X mündete. Solche ambitionierten Ziele zu definieren, war jedoch nur der erste Schritt. Dem politischen Geschick Klaus Pinkaus ist es zu verdanken, dass diese Pläne auch umgesetzt werden konnten. Insbesondere die Finanzierung für den Bau des Stellarators Wendelstein 7-X im Prozess der deutschen Wiedervereinigung zu erreichen, war zum größten Teil sein Verdienst.

Zusätzlich zu seinen Aufgaben als Wissenschaftler und Wissenschaftsmanager engagierte sich Klaus Pinkau unter anderem im Wissenschaftsrat, als Vorsitzender des Beratungskomitees der Europäischen Raumfahrtbehörde ESA und als Leiter des Gutachterausschusses „Großprojekte der Grundlagenforschung“ des Forschungsministeriums. Er war Mitglied des Senats und Vorsitzender des Wissenschaftlichen Rates der Max-Planck-Gesellschaft.

Für seine Leistungen wurde Klaus Pinkau vielfach ausgezeichnet. Unter anderem erhielt er den Bayerischen Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst, das Bundesverdienstkreuz am Bande, das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse sowie den Bayerischen Verdienstorden.

Klaus Pinkau wird im Max-Planck-Institut für Plasmaphysik stets in dankbarer und ehrender Erinnerung bleiben. Das IPP – und mit ihm die gesamte Fusionsforschung in Deutschland – verdanken ihm sehr viel. Unser Mitgefühl gilt seiner Familie und allen, die ihm nahestanden.

Sibylle Günter und Josef Schweinzer im Namen des Direktoriums und der Wissenschaftlichen Leitung

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