Forum Fusion 2026: Rekordbeteiligung beim Branchentreffen in Garching
Knapp 200 Fachleute aus Forschung, Industrie, Start-ups und Ministerien kamen am 12. und 13. Januar 2026 zum 7. Forum Fusion ans Max-Planck-Institut für Plasmaphysik in Garching. Zum Auftakt stellte das Bundesforschungsministerium vor, wie es die Technologie-Entwicklung in Deutschland mit drei Fusions-Hubs beschleunigen will.
Das Forum Fusion war bereits vor seiner siebten Ausgabe das größte Treffen der deutschen Fusionsbranche. Doch für die jüngste Ausgabe am 12. und 13. Januar 2026 gingen so viele Anmeldungen aus Europa ein, dass Veranstalter Dr. Arnd Baurichter vom Fusion Liaison Office (FILO) einen Vergleich zum legendären Woodstock-Musikfestival zog, bei dem 1969 die Zahl der erwarteten Besucher überraschend explodiert war.
Fast 200 Fachleute aus Forschung, Start-up-Szene, Industrie und Ministerien kamen am Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) in Garching zusammen, um die relevanten Player auf dem Weg zu einem kommerziellen Fusionskraftwerk zu vernetzen.
Vor der eigentlichen Veranstaltung informierte Dr. Silke Launert, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) über die Förderstrategie mit der die Bundesregierung Deutschland zum Vorreiter bei der Entwicklung der Fusionsenergie machen will. Sie stellte die drei Hubs vor, in denen in den kommenden Jahren die Technologieentwicklung vorangetrieben werden soll:
- Magnetfusion
- Laserfusion
- Brennstoffkreislauf und Materialentwicklung
Peter Schroth, Referatsleiter am BMFTR, beantwortete detailliert auf Fragen zu den Förderplänen. Dabei machte er deutlich, dass die von der Bundesregierung in Aussicht gestellte Fördersumme von zwei Milliarden Euro sich ausdrücklich nur auf die laufende Legislaturperiode beziehe. Künftigen Bundesregierungen könne man nicht vorgreifen, aber natürlich sei eine Fortsetzung wünschenswert. Er betonte, dass man dazu erwarte, dass sich die Reife der notwendigen Technologien (Technological Readiness Level) in den kommenden Jahren positiv entwickle. In der Bundesregierung sei man überzeugt, dass Fusion ein Gamechanger für die deutsche Energieversorgung sei, sagte Staatssekretärin Launert. Für die jetzige Fördersumme habe ihr Ministerium gekämpft. Jetzt müsse die Fusionsbranche die Bürger für ihr Thema begeistern.
ITER-Generaldirektor Pietro Barabaschi gab ein Update über die Arbeiten am internationalen Forschungsgroßprojekt in Südfrankreich und berichtete, dass man nach den Restrukturierungen der vergangenen Jahre nun auf Kurs sei. Weitere Redner waren Dr. Elena Righi Steele, Referatsleiterin bei der EU-Kommission, und Marc Lachaise, Direktor der EU-Organisation Fusion for Energy. Vertreter der vier in Deutschland beheimateten Fusionsunternehmen Focused Energy, Gauss Fusion, Marvel Fusion und Proxima Fusion präsentierten den Stand ihrer Entwicklungsarbeiten.
Zu den Höhepunkten am zweiten Tag der Veranstaltung gehörte eine Panel-Diskussion über den regulatorischen Rahmen für ein künftiges Kernfusionskraftwerk. Ziel von Fusionsbranche und BMFTR ist es, eine gesetzliche Regelung zu schaffen, die im Vergleich zur Genehmigung von Spaltungskraftwerken schneller und einfacher ablaufen soll, weil die Sicherheitsrisiken bei Fusionskraftwerken deutlich kleiner sind.
Der Jurist Dr. Philipp Sauter vom Max-Planck-Institut für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht stellte in diesem Zusammenhang das Anfang des Jahres begonnene Projekt ReFus vor, in dem er mit Partnern im Auftrag des BMFTR (Fördersumme: 1 Million Euro) die derzeitige regulatorische Situation analysiert und bis Ende Juni in einem Bericht Vorschläge für einen neuen rechtlichen Rahmen vorlegen wird.
Bislang sind nach Sauters Urteil die USA in dieser Sache führend. Deutschland stehe aber ebenfalls im internationalen Vergleich bereits jetzt gut da, weil Fusionsanlagen hier innerhalb des Strahlenschutzgesetzes reguliert werden, nicht nach Atomgesetz.
Alle Beteiligten waren sich einig, dass ein verbesserter Rahmen Genehmigungszeiten verkürzen soll. Die Industrie wünscht sich Planungssicherheit und eine internationale Harmonisierung, damit ihre Entwicklungen auch außerhalb von Deutschland verkauft werden können.
Yavuz Anik vom Deutschen Institut für Normung (DIN) berichtete, wie seine Organisation eine internationale Standardisierung von Fusionstechnologien vorantreibt. Gemeinsam mit China nehme Deutschland hier derzeit eine Führungsrolle ein.


