Schema zur Kernfusion: Deuterium und Tritium verschmelzen zu Helium, wobei ein Neutron entsteht. Pfeile zeigen Reaktionsrichtung.

Warum Fusionsforschung?

Etwa 78 Prozent* des Weltenergiebedarfs wird heute aus fossilen Energiequellen gedeckt. Die damit verbundene Klimaproblematik, begrenzte Brennstoff-Vorräte und politische Instabilitäten machen auf längere Sicht ein neues Energiesystem nötig.

 

 

Hinzu kommt der steigende Energiebedarf in den Schwellenländern und die schnell wachsende Erdbevölkerung: Selbst wenn es in den Industrieländern gelingt, in erheblichem Umfang Energie zu sparen, wird der Energiebedarf weltweit ansteigen.

Die Auswahl an ausreichend ergiebigen Energiequellen, die Kohle, Erdöl und Erdgas in Zukunft ersetzen könnten, ist sehr begrenzt: Neben Kernspaltung und erneuerbaren Energien bleibt als dritte Möglichkeit die Fusion.

Energie- und Systemstudien im Rahmen des Europäischen Fusionsprogramms untersuchen die möglichen Entwicklungen des Energiesystems.

* IEA - World Energy Outlook 2024, Seite 296
 

 

Diagramm zeigt die Prognose der Bevölkerungsentwicklung in Milliarden von 1950 bis 2100 mit drei Szenarien: hohe, mittlere und niedrige Variante. Quelle: Vereinte Nationen.

Fusion im Energie­mix der Zukunft

1. Die Weltbevölkerung wächst rasant, vor allem in den Ent­wicklungs- und Schwellen­ländern.
(Grafik: Stiftung Welt­be­völ­ke­rung, Daten: Ver­einte Nationen, 2011)

Das Diagramm zeigt die Entwicklung des Bruttosozialprodukts von 2005 bis 2100, mit spezifischen Wachstumsanteilen von West-Europa, China, Indien, Afrika und der Welt im Vergleich zu 2005.

2. Schon mit der schieren Zahl der Menschen wachsen Konsum und Energiebedarf. Hinzu kommt die rasch zunehmende Pro-Kopf-Nachfrage in Entwicklungs­län­dern.
(Daten: GTAP-Modell, Martini 2011)

Digitale Weltkarte mit Netzwerkverbindungen; gelbe Punkte markieren Knotenpunkte in Nordamerika, Europa, Afrika und Südamerika.

3. Mit einem Energiemodell der Welt erkundet man im europäi­schen Fusions­forschungs­programm die Treiber der Entwicklung, die Potentiale der Energietechnologien und die komplexen System­zusammen­hänge.

Weltkarte mit farblich markierten Ländern.

4. Das Energiesystemmodell EFDA-TIMES  (Stand 2011) beschreibt für alle Weltregionen die gesamte Prozesskette von den Ressourcen bis zum Verbraucher.
(Grafik: IPP, Tobias Eder)

Weltkarte bei Nacht zeigt beleuchtete Städte in Europa, Nordamerika und Asien.

5. Um den Energiebedarf zu decken, sucht das Modell unter vorgegebenen Rahmen­be­dingungen den Energie­mix mit den niedrigsten volks­wirt­schaft­lichen Kosten. (Foto: NASA)

Bildschirm mit farbigen Diagrammen und Codezeilen, die Jahreszahlen enthalten.

6. Die Energietechnologien gehen mit ihren von jeweiligen Experten genannten Eigenschaften, Kosten und erwarteten Effi­zienz­steige­rungen in das Modell ein.
(Foto: IPP, Michael Herdlein)

Globaler Primärenergiebedarf von 2000 bis 2100, dargestellt in einem gestapelten Balkendiagramm ohne CO2-Beschränkung, mit Energietypen wie Kohle, Erdgas, Erdöl, Biomasse, Erdwärme, Solarenergie, Wind, Wasserkraft, Fission und Fusion.

7. Ein rein kostenoptimiertes Szenario: Ohne Rücksicht auf das Klima wird der steigende Weltenergiebedarf zu 80 Prozent durch fossile Energieträger gedeckt.

Hochauflösende Satellitenaufnahme der Erde mit deutlicher Sicht auf Asien, Afrika und den Indischen Ozean, umgeben von Wolkenformationen.

8. Selbst ein mäßiges Klima­schutz­ziel – 550 Millionstel Kohlendioxid in der Atmosphäre, um die Erderwärmung auf drei Grad zu beschränken – würde so verfehlt.
(Foto: NASA)

Die Grafik veranschaulicht den jährlichen globalen Primärenergiebedarf von 2000 bis 2100 bei CO₂-Beschränkung auf 550 ppm. Farbige Balken repräsentieren verschiedene Energiequellen wie Fusion, Fission, Wasser- und Windkraft, Solarenergie, Erdwärme, Biomasse, Erdöl, Erdgas und Kohle.

9. Nur eine internationale Beschränkung für den Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid bringt teurere, aber klima­freund­liche Technologien ins Spiel.

Balkendiagramm zur globalen Stromproduktion bis 2100: Steigende Energienutzung aus Kohle, Erdgas, Erneuerbaren und Kernenergie ohne CO2-Beschränkung.

10. Im Bereich der Strom­erzeu­gung zeigt sich das gleiche Bild: Rein kostenoptimiert wird Kohle zum Favoriten des Jahrhunderts – weltweit ...

Diagramm zur jährlichen Stromerzeugung in China bis 2100, mit Kohle als dominanter Quelle, gefolgt von Erdgas, erneuerbaren Energien und Kernkraft.

11. ... sowie vor allem in aufstrebenden Ökonomien wie China. Fusion und Erneuerbare kommen kaum zum Zug.

Balkendiagramm zeigt globale Stromerzeugung bis 2100 unter CO₂-Beschränkung auf 550 ppm, Energiequellen wie Fusion, Fission, Wasser, Wind, Solar, Erdwärme.

12. Eine verbindliche CO2-Beschränkung ändert das Bild radikal: Nach Erdgas und Kernspaltung setzen sich ab 2050 Erneuerbare und Fusion immer mehr durch.

Balkendiagramm der jährlichen Stromerzeugung Chinas bis 2100 bei CO₂-Konzentrationslimit von 550 ppm, Energieträger: Fusion, Fission, Wasserkraft, Wind, Solarenergie, Erdwärme, Biomasse, CO₂-Abtrennung, Erdöl, Erdgas, Kohle.

13. Speziell für China am kosten­günstigsten wäre dann ein Mix aus Kernspaltung, Wind- und Wasserkraft sowie – sobald verfügbar – Fusion.

Balkendiagramm der jährlichen Stromerzeugung in West-Europa von 2000 bis 2100, mit Fokus auf Fusion, Wind, Kohle, Erdgas und anderen Energieträgern bei 550 ppm CO₂-Konzentration.

14. Szenario für West-Europa: Die ursprünglichen Favoriten Kohle, Erdgas und Spaltung werden am Jahrhundert-Ende durch Wind, Wasserkraft und Fusion ersetzt.

Grafische Darstellung der globalen Stromproduktion von 2000 bis 2100, wobei verschiedene Energieträger wie Fission, Wasserkraft, Wind, Solarenergie, Erdgas und Kohle unterschieden werden. Ziel ist eine CO₂-Konzentration von 550 ppm.

15. Was, wenn die Fusions­for­schung scheitert? Um das Drei-Grad-Ziel einzuhalten, decken dann 2100 halb Wind- und Wasserkraft, halb Kernspaltung den Strombedarf.

Balkendiagramm zeigt die Prognose der jährlichen globalen Stromerzeugung bis 2100, unterteilt in Energiequellen wie Wasserkraft, Wind und fossile Brennstoffe, bei einer CO₂-Konzentration von 550 ppm.

16. Zusätzlich ein globaler Kernspaltungs-Ausstieg? Dieses Szenario macht kostenintensive Techniken – Solarstrom und Kohlendioxid-Speicherung – marktfähig.

Foto auf dem eine Person vor einem Stromzähler zu sehen ist.

17. Dies wäre die kosten­träch­tigste – und damit un­wahr­schein­lichste – Entwicklung. Der Strom käme rund doppelt so teuer wie in den anderen Szenarien. (Foto: ENBW)

Person steht vor einer Weltkarte, die mit Linien globaler Netzwerke und Knotenpunkten versehen ist, im Hintergrund.

18. Die Modellrechnungen und Systemstudien können die Zukunft nicht vorhersagen. Aber sie machen Zusammenhänge deutlich.
(Foto: IPP, Michael Herdlein)

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