Den architektonischen Charakter des Gebäudes bestimmt vor allem
das wellenförmige Dach. In Gestalt einer "Ostsee-Welle" sorgt es
für die wettergeschützte Verbindung aller Institutsteile und
schafft zugleich mit einfachen Mitteln ein unverwechselbares Aussehen.
Alle Bauaufträge wurden europaweit ausgeschrieben. Dennoch konnten
mehr als 80 Prozent des Auftragsvolumens von Firmen mit Hauptsitz oder
Niederlassung in Mecklenburg-Vorpommern und angrenzenden Gebieten Brandenburgs
gewonnen werden.
Fusionsforschung mit WENDELSTEIN 7-X
Ziel der Fusionsforschung ist es, ähnlich wie in der Sonne aus der
Verschmelzung von Atomkernen Energie zu gewinnen. Da die für den
Fusionsprozeß nötigen Grundstoffe in nahezu unbegrenzter Menge
überall vorhanden sind und ein Fusionskraftwerk günstige Sicherheits-
und Umwelteigenschaften verspricht, könnte die Fusion eine der wenigen
Möglichkeiten sein, die heute überwiegend genutzten fossilen
Brennstoffe zu ersetzen. Dazu muß es gelingen, den Fusionsbrennstoff
- ein "Plasma" aus den Wasserstoffsorten Deuterium und Tritium - wärmeisoliert
in Magnetfeldern einzuschließen und auf Temperaturen über 100
Millionen Grad aufzuheizen.
Mit rund 1000 Mitarbeitern ist das Max-Planck-Institut für Plasmaphysik
(IPP) in Garching und Greifswald eines der größten Zentren
für Fusionsforschung in Europa. Als weltweit einziges Institut werden
hier die beiden Haupttypen von Fusionsanlagen - Tokamaks und Stellaratoren
- parallel zueinander entwickelt, was den direkten Vergleich möglich
macht: In Garching betreibt das IPP den Tokamak ASDEX Upgrade - die größte
deutsche Fusionsanlage - sowie den Stellarator WENDELSTEIN 7-AS. Im Teilinstitut
Greifswald, wo man sich auf die Weiterentwicklung der Stellaratoren konzentriert,
entsteht der Nachfolger WENDELSTEIN 7-X. Voraussichtlich 2006 wird die
Anlage in Betrieb gehen.
Weltweit die meisten Fusionsanlagen sind heute vom Typ Tokamak. Während
diese Anlagen das Magnetfeld zum Teil mit Hilfe eines im Plasma fließenden
elektrischen Stroms herstellen, benutzen Stellaratoren ausschließlich
äußere Magnetspulen. Daher fallen alle mit dem Plasmastrom
der Tokamaks verbundenen Nachteile weg: Zum Beispiel sind Stellaratoren
für Dauerbetrieb geeignet. Obwohl ihre Magnetspulen komplexer geformt
sind, könnten sie also die technisch einfachere Lösung sein.
Allerdings war der Magnetfeldkäfig früherer Stellaratoren von
nur mäßiger Qualität. Dies änderte sich erst mit
der Stellarator-Optimierung des IPP. Die Gruppe "Stellarator-Theorie"
untersuchte in mehr als zehnjähriger Arbeit den weiten Raum möglicher
Stellarator-Konfigurationen - ein großer Rechenaufwand, der erst
mit Hilfe der modernen Großcomputer zu bewältigen war. Die
für den Magnetfeldkäfig gewünschten Eigenschaften wurden
schrittweise einbezogen und so das bezüglich Plasmagleichgewicht,
Stabilität und Einschlussvermögen beste Feld entwickelt. Ergebnis
ist das Spulensystem von WENDELSTEIN 7-X mit seinen 50 nicht-ebenen Einzelspulen.
Sein Magnetfeld sollte überlegene Einschlusseigenschaften besitzen,
die man früher in einem Stellarator noch für unmöglich
hielt.
Mit Temperaturen bis 100 Millionen Grad soll das WENDELSTEIN-Plasma überzeugende
Schlüsse auf die Kraftwerkseigenschaften der Stellaratoren ermöglichen.
Dazu ist es nicht nötig, ein energielieferndes Fusionsplasma herzustellen.
Daher wird das WENDELSTEIN-Experiment ohne den radioaktiven Brennstoffbestandteil
Tritium arbeiten. Informationen über das Verhalten eines brennenden
Plasmas soll der in weltweiter Zusammenarbeit geplante Tokamak-Testreaktor
ITER liefern.
Die Gesamtinvestitionen für das IPP-Teilinstitut Greifswald (Experiment,
Diagnostik, Gebäude) belaufen sich auf beinahe 600 Mio DM. Hierzu
stellt das Land Mecklenburg-Vorpommern allein rund 120 Mio DM für
die Infrastruktur bereit. Von den verbleibenden etwa 480 Mio DM trägt
die Europäische Union im Rahmen des Europäischen Fusionsprogramms
etwa ein Drittel (für das Experiment WENDELSTEIN 7-X sogar 45 Prozent).
Die restlichen zwei Drittel finanzieren Bund und Land Mecklenburg-Vorpommern
im Verhältnis 9:1. Von später rund 300 Mitarbeitern arbeiten
im Teilinstitut Greifswald derzeit 130; achtzig Prozent der neu eingestellten
Mitarbeiter kommen aus der Region.
Isabella Milch
Weitere Informationen erhalten Sie von:
Max-Planck-Institut für Plasmaphysik
Abteilung Öffentlichkeitsarbeit
Boltzmannstraße 2
D-85748 Garching
Tel. 089-3299-1288
Fax: 089-3299-2622
e-mail Öffentlichkeitsarbeit

Die neuen Gebäude des IPP-Teilinstituts Greifswald