Fusionsanlage HIDRA – vormals WEGA – in  Betrieb

Vom IPP in Greifswald an die Universität von Illinois / HIDRA erzeugt erstes Plasma

24. Mai 2016

Die kleine Fusionsanlage HIDRA, die bis 2013 unter dem Namen WEGA im Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) in Greifswald lief, ging jetzt  in den USA erneut in Betrieb. Am 22. April 2016 wurde im Center for Plasma-Material Interactions (CPMI) an der Universität von Illinois in Urbana-Champaign das erste Plasma erzeugt.


Kurz vor dem ersten Plasma: Vor der fertig aufgebauten HIDRA gibt Prof. Jim Stubbins, Leiter des Department of Nuclear Plasma and Radiological Engineering an der Universität von Illinois, eine Einführung.

Wissenschaftler, Studenten und zahlreiche Gäste im Center for Plasma-Material Interactions verfolgten die Erzeugung des „Ersten Plasmas“ von HIDRA (Hybrid Illinois Device for Research and Applications). Applaus brandete auf, als sich nach anderthalb Jahren Bauzeit auf dem Bildschirm das erste pinkfarbene Plasma einer magnetfeldunterstützten Glimmentladung zeigte. Sie dauerte 50 Sekunden – „eine kurze Entladung zum Beweis, dass alle Systeme arbeiten“, sagt Projektleiter Professor Dr. Daniel Andruczyk vom CPMI.

Als nächstes wird, so Professor Andruczyk, die Struktur des magnetischen Feldes ausgemessen, dann sollen die ersten mikrowellen-geheizten Plasmen folgen. Ziel ist es, mit Langpulsplasmen in HIDRA die Plasma-Material-Wechselwirkungen zu untersuchen und Technologien zu entwickeln, die Plasma und Gefäßwände wirksam vor gegenseitigen Einwirkungen schützen.

Das erste Plasma in HIDRA

Urbana ist nach Greifswald, Stuttgart und Grenoble der mittlerweile vierte Standort für die rüstige Anlage. Erstmals 1975 nahm sie unter dem Namen „Wendelstein-Experiment in Grenoble for the Application of Radio Frequency Heating“ als deutsch-französisch-belgisches Gemeinschaftsprojekt den Betrieb auf. Wissenschaftler des IPP in Garching und des Centre d’Etudes Nucleaires in Grenoble hatten WEGA, die sowohl als Tokamak als auch als Stellarator arbeiten kann, gemeinsam geplant, aufgebaut und betrieben. Nach siebzehnjährigem Zwischenaufenthalt an der Universität Stuttgart ging die Anlage in Jahr 2001 als „Wendelstein-Experiment in Greifswald für die Ausbildung“ im IPP in Greifswald erneut an den Start.

Über zwölf Jahre lang wurde hier Studenten und wissenschaftlicher Nachwuchs ausgebildet, um die Zeit bis zur Fertigstellung der Großanlage Wendelstein 7-X zu überbrücken. Ende 2013 kam das vorläufige Ende für WEGA. Unter Leitung von CPMI-Wissenschaftler Professor Andruczyk wurde die Anlage in Greifswald demontiert, in die USA verschifft und als HIDRA in Urbana wieder aufgebaut: „Wir freuen uns über die gelungene Montage und sind gespannt auf die weitere Forschungsarbeit“, gratuliert der ehemalige WEGA-Projektleiter Dr. Matthias Otte zum erfolgreichen Aufbau.

Isabella Milch

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