USA und China schließen sich internationaler ITER-Kooperation an

Internationale Verhandlungen jetzt mit sechs Partnern

31. Januar 2003

Die USA werden sich an den Verhandlungen über den Bau und Betrieb des internationalen Fusionstestreaktors ITER beteiligen.

Dies gab Energieminister Spencer Abraham am 30. Januar in Princeton bekannt. Die Forschungsanlage sei „ein wichtiges Element auf dem Weg hin zur Befriedigung des globalen Energiebedarfs“. Mit rund 10 Prozent der Gesamtkosten – zum Teil durch Fertigung einzelner Komponenten der Anlage – wollen die USA zu dem Projekt betragen und entsprechend an Management und Forschungsarbeiten teilhaben.

Auch China hat kürzlich in einem Schreiben an die ITER-Partner eine Beteiligung in Höhe von etwa 10 Prozent angeboten, wie das Wissenschaftsmagazin „Nature“ am 23. Januar 2003 berichtete: „China beabsichtigt, in Sach- oder Geldmitteln wesentlich zu dem Projekt beizutragen“, so der chinesische Wissenschaftsminister Xu Gusnhua.

Der Experimentalreaktor ITER ist der nächste große Schritt der weltweiten Fusionsforschung. Deren Ziel ist es, ein Kraftwerk zu entwickeln, das – ähnlich wie die Sonne – aus der Verschmelzung von Atomkernen Energie erzeugt. Zum Zünden des Fusionsfeuers muss der Brennstoff – ein Wasserstoffplasma – in Magnetfeldern eingeschlossen und auf hohe Temperaturen aufgeheizt werden. Aufgabe von ITER, der seit 1988 in weltweiter Zusammenarbeit von europäischen, japanischen, russischen und US-amerikanischen Fusionsforschern vorbereitet wurde, ist es, die physikalische und technische Machbarkeit der Fusion zu zeigen. Mit einer Fusionsleistung von 500 Megawatt soll die Anlage erstmals ein brennendes und Energie lieferndes Plasma erzeugen. Die Baukosten wurden auf rund vier Milliarden Euro abgeschätzt.

1998 hatten sich die Vereinigten Staaten aus dem Projekt zurückgezogen. Die baureifen Pläne wurden von den übrigen Partnern im Juli 2001 fertiggestellt; wesentliche Komponenten der Anlage sind als Prototypen gebaut und getestet. Standorte für die Forschungsanlage haben Frankreich, Spanien, Kanada und Japan angeboten. Die jetzige Entscheidung der USA, sich der internationalen Kooperation wieder anzuschließen, wurde durch mehrere wissenschaftliche Gutachten vorbereitet (siehe IPP-Presseinfo 9/02), die ITER als folgerichtigen nächsten Schritt der Fusionsforschung bestätigt haben.

An den seit November 2001 laufenden Verhandlungen der internationalen Partner Europa, Kanada, Japan und Russische Föderation werden nun auch die USA und China teilnehmen. Zu regeln ist die Rechtsform des internationalen Projekts, seine Organisation, der Standort sowie die Aufteilung der Kosten und Fertigungsaufträge auf die Partner. Ein entsprechendes Abkommen kann möglicherweise noch in diesem Jahr fertig gestellt und den Regierungen der Partner vorgelegt werden.

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