Französisches Standortangebot für ITER angekündigt

Forschungsgelände im südfranzösischen Cadarache als ITER-Standort vorgeschlagen

25. Juli 2000

Die für das französische Fusionsprogramm zuständige Forschungsagentur CEA (Commissariat à l'Energie Atomique) hat ihr Interesse bekundet, als Standort für den Internationalen Thermonuklearen Experimentalreaktor ITER das Forschungsgelände in Cadarache nahe Aix-en-Provence anzubieten. Der Vorschlag wurde bereits an die Europäische Kommission weitergegeben.

Zuvor hatte der Hochkommissar für Atomenergie, René Pellat, diesen Schritt auf einem Treffen des Beratungsgremiums für das Europäische Fusionsprogramm angekündigt, der von den übrigen europäischen Delegationen sehr begrüßt wurde. Das französische Forschungsministerium befürwortet einen europäischen ITER-Standort und erhofft sich kräftige Unterstützung der CEA-Initiative. Bernard Frois, Leiter der Abteilung für Energie, Transport, Umwelt und natürliche Rohstoffe im französischen Forschungsministerium, betonte während des Treffens, Frankreich erkenne die ausschlaggebende Rolle von ITER für die Entwicklung der Fusion und sprach den Vorbereitungsarbeiten des internationalen ITER-Teams seine Anerkennung aus - eine Einschätzung, die im Europäischen Fusionsprogramm allgemein geteilt wird. Frois wies zudem auf die Bedeutung des Fusionsprogramms für die Entwicklung von Schlüsseltechnologien und die Europäische Industrie hin.

ITER soll erstmals ein brennendes und energielieferndes Plasma erzeugen, dessen Fusionsleistung die für die Heizung des Plasmas aufzuwendende Leistung mindestens um das zehnfache übersteigt. Die Forschungsanlage, die grundlegende physikalische Fragen ebenso beantworten soll wie sie technologische Aufgaben zu lösen hat, ist der entscheidende Zwischenschritt vor dem Bau eines Demonstrationskraftwerks. Nach einer kostenreduzierenden Überarbeitung des ITER-Entwurfs, bei der einige der ursprünglichen Ziele neu definiert wurden, liegen die veranschlagten Baukosten jetzt unter 4 Milliarden Euro. ITER wird von den Fusionsprogrammen Europas, Japans und Rußlands gemeinsam vorbereitet; man hofft, dass die USA - anfangs ebenfalls ein Partner - nach einem Baubeschluss in das Team zurückkehren. Bislang haben die vier Partner rund 1 Milliarde Euro für ITER aufgewendet, insbesondere für die Entwicklung von High-Tech-Komponenten (siehe IPP-Presseinfo 13/99).

Ähnlich wie Frankreich hatte zuvor Kanada sein Interesse an einem ITER-Standort erklärt; ein japanisches Angebot wird Anfang nächsten Jahres erwartet. Der Wissenschaftliche Direktor des Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik (IPP), Prof. Alexander Bradshaw, meinte: "Für das IPP ist der Bau von ITER in Europa die attraktivste Lösung und besitzt daher höchste Priorität. Natürlich würden wir das Projekt in der Bau- und Betriebsphase ebenso unterstützen, falls ein Standort in Kanada oder Japan ausgewählt würde. In letzter Zeit hat sich die ITER-Entwicklung etwas verlangsamt. Der französische Vorschlag kommt daher gerade rechtzeitig und könnte helfen, bald eine endgültige Entscheidung herbeizuführen. Zudem hat zur Zeit Frankreich die EU-Präsidentschaft inne".

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