Fusionsexperiment WEGA geht in den Ruhestand

Anlage zur wissenschaftlichen Ausbildung im IPP Greifswald / fast 40 Jahre Betriebszeit

22. November 2013



Die Fusionsanlage WEGA kurz nach der Inbetriebnahme im IPP-Teilinstitut Greifswald im Jahr 2001

Nach über zwölf Jahren ergebnisreicher Forschung stellte jetzt die kleine Fusionsanlage WEGA im IPP-Teilinstitut Greifswald den Betrieb ein. Das „Wendelstein-Experiment in Greifswald für die Ausbildung“ macht Platz für die Großanlage Wendelstein 7-X, deren Aufbau im nächsten Jahr zu Ende gehen wird.

An WEGA wurden Studenten und wissenschaftlicher Nachwuchs ausgebildet, um die Zeit bis zur Fertigstellung von Wendelstein 7-X zu überbrücken. Vielen Mitarbeitern des 1994 gegründeten Teilinstituts ermöglichte WEGA erste Erfahrung mit einem Plasmaexperiment – bei der Montage der Anlage, beim Aufbau und Test von Messverfahren oder der Experimentsteuerung. An der anpassungsfähigen WEGA ließen sich neue Heizantennen, Messgeräte oder Steuerungen vergleichsweise einfach anbauen und im Hinblick auf den großen Bruder Wendelstein 7-X testen. Doch nicht nur vorbereitet und ausgebildet, sondern auch geforscht wurde mit WEGA. Herausragende Themen waren Plasma-Turbulenz, Heizung überdichter Plasmen, Wandkonditionierung oder der Einschluss energiereicher Elektronen. „WEGA hat uns hier immer wieder überrascht“, sagt Experimentleiter Dr. Matthias Otte im Rückblick.

Insgesamt wurden an WEGA zwei Bachelor-, zwei Master-, 13 Diplom- und sechs Promotionsarbeiten abgeschlossen. Zahlreichen Praktikanten ermöglichte sie erste Einblicke in die Plasmaphysik; an vielen Tagen der offenen Tür konnten die Besucher mit WEGA im Kleinen verstehen, wie Wendelstein 7-X einmal funktionieren wird.

WEGA ist ein Mitglied der Wendelstein-Familie des IPP und kann auf eine bewegte Vergangenheit zurückblicken: Als „Wendelstein-Experiment in Grenoble for the Application of Radio Frequency Heating“ ging die Anlage erstmals 1975 im Rahmen des Europäischen Fusionsprogramms als deutsch-französisch-belgisches Gemeinschaftsprojekt in Grenoble in Betrieb. Nach einem siebzehnjährigen Zwischenaufenthalt im Institut für Plasmaforschung der Universität Stuttgart ging sie 2001 im IPP in Greifswald erneut an den Start. „Zählt man die Betriebsjahre in Grenoble und Stuttgart hinzu, dann wurde an WEGA fast 40 Jahre lang experimentiert“, stellt Matthias Otte ein wenig wehmütig fest: „Damit ist sie sicherlich eines, wenn nicht das langlebigste Fusionsexperiment zum magnetischen Einschluss“.

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