ITER-Partner billigen Zwischenbericht

Weiterführung der internationalen Zusammenarbeit / auch Südkorea und China interessiert

6. August 1997

Ihre Zustimmung zu dem detaillierten Zwischenbericht über die bisherigen Planungsergebnisse für den Internationalen Thermonuklearen Experimentalreaktor ITER haben die vier ITER-Partner Europa, Japan, USA und Rußland kürzlich auf einer Sitzung des ITER-Rates im finnischen Tampere erklärt. Dem ITER-Rat - dem Aufsichtsgremium des Projektes - gehören Regierungsvertreter aller vier Partner an.

Zuvor hatten von ITER unabhängige Spezialistenteams in den nationalen Fusionslaboratorien der Partner sowie Fachleute aus der Industrie den Inhalt gründlich diskutiert und geprüft. Der umfangreiche Bericht, der nun von allen Beteiligten als Arbeitsgrundlage bis Mitte 1998 anerkannt ist, faßt den gegenwärtigen Planungsstand zusammen und enthält ausführliche Analysen der physikalischen Basis sowie der Sicherheitseigenschaften und Kosten von ITER.

Die Partner beabsichtigen zudem, ihre weltweit einmalige internationale Zusammenarbeit nach dem Juli 1998 für weitere drei Jahre fortzuführen, die unter anderem für standortspezifische Analysen genutzt werden sollen. Währenddessen soll auch entschieden werden, ob und wie die vier Partner den Experimentalreaktor gemeinsam bauen und betreiben werden. Ihr Interesse an einer Mitarbeit haben inzwischen auch Südkorea und China angemeldet; mögliche Standorte für ITER liegen in Japan, Italien oder Kanada.

Die gemeinsamen Planungen für den Testreaktor ITER sind wesentlicher Bestandteil der vier großen Fusionsprogramme der Welt - Europas, Japans, der USA und Rußlands. Ziel ist es, die Energieerzeugung der Sonne auf der Erde nachzuvollziehen und aus der Verschmelzung von Atomkernen Energie zu gewinnen. Brennstoff für diese nahezu unerschöpfliche Energiequelle ist ein dünnes Gas aus den beiden Wasserstoffsorten Deuterium und Tritium. Zum Zünden des Fusionsfeuers muß es gelingen, den Brennstoff in Magnetfeldern einzuschließen und auf hohe Temperaturen aufzuheizen. Aufgabe von ITER ist es, zum ersten Mal ein gezündetes und für längere Zeit energielieferndes Plasma zu erzeugen. Zudem sollen wesentliche technische Funktionen eines Fusionskraftwerks getestet werden.

Das ITER-Projekt wurde 1985 in Gesprächen des damaligen sowjetischen Generalsekretärs Gorbatschow mit den Präsidenten Frankreichs und der USA, Mitterand und Reagan, eingeleitet. Von 1988 bis 1990 arbeitete die ITER-Studiengruppe im Max-Planck-Institut für Plasmaphysik in Garching als Gastlabor am Entwurf des Testreaktors. In der jetzt laufenden sechsjährigen detaillierten Planungsphase ab Juli 1992 arbeitet ein gemeinsames Team an drei Fusionszentren: in San Diego/USA, im japanischen Naka und wiederum am IPP in Garching.

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