Neuberufung im Max-Planck-Institut für Plasmaphysik

Frau Dr. habil. Sibylle Günter zum Wissenschaftlichen Mitglied berufen

26. Juni 2000

Als neues Wissenschaftliches Mitglied des Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik (IPP) in Garching und Leiterin des Bereichs "Tokamakphysik" nimmt am 1. Juli 2000 Frau Dr. habil. Sibylle Günter ihre Forschungstätigkeit auf. Sibylle Günter, geboren 1964 in Rostock, ist die jüngste zum Wissenschaftlichen Mitglied berufene Frau in der Geschichte der Max-Planck-Gesellschaft.

Nach dem Physikstudium an der Universität Rostock promovierte sie 1990 an der Universität Rostock mit einer Arbeit aus der theoretischen Physik: "Das war nicht ausschließlich Interesse, sondern auch Resultat der damaligen Bedingungen. Denn experimentell in der DDR zu arbeiten, war problematisch, weil die Ausrüstung der Experimentatoren so schlecht war, dass viele Anlagen in Handarbeit entstanden. Dies machte extreme Schwierigkeiten, im internationalen Maßstab konkurrenzfähig zu sein. Deshalb habe ich mich für ein theoretisches, aber trotzdem anwendungsnahes Thema entschieden, die rechnerische Untersuchung von Strahlung aus dichten Plasmen". Nach Promotion und Geburt der Tochter Stefanie arbeitete Frau Günter als wissenschaftliche Assistentin am Lehrstuhl "Theoretische Physik I" der Universität Rostock: "Die neuen Möglichkeiten nach der Wende kamen für mich gerade noch zur richtigen Zeit: Die Ausstattung mit Rechnern wurde deutlich besser, vor allem aber der Kontakt mit anderen Wissenschaftlern, insbesondere zu Experimentalphysikern. In der damaligen DDR gab es auf meinem Gebiet kaum experimentelle Arbeiten, und ich war neugierig, ob das, was ich ausgerechnet hatte, etwas mit der Realität zu tun hat". Es entwickelte sich eine enge Zusammenarbeit mit in- und ausländischen Wissenschaftlergruppen, die unter anderem zu Forschungsaufenthalten an der Universität von Maryland/USA sowie am National Institute of Standards and Technology in Gaithersburg führte.

1996 habilitierte sich Sibylle Günter mit einer Arbeit über "Optische Eigenschaften dichter Plasmen" an der Universität Rostock, wo sie bis heute Vorlesungen hält. Im gleichen Jahr ging sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin an das IPP, das sich mit Plasmaphysik im Hinblick auf die Entwicklung eines Fusionskraftwerks befasst. Zum Zünden des Fusionsfeuers muss der Brennstoff - ein Plasma - in Magnetfeldern eingeschlossen und auf hohe Temperaturen aufgeheizt werden. Frau Günter arbeitete im IPP zunächst an der theoretischen Beschreibung der magnetohydrodynamischen Stabilität von Tokamak-Plasmen, zeitweise kam auch deren experimentelle Untersuchung hinzu. Ab 1. Juli ist Frau Günter nun Wissenschaftliches Mitglied des IPP und Leiterin des Bereichs "Tokamakphysik" - letzteres in Nachfolge von Professor Karl Lackner, der ab Juli Leiter der unter dem "European Fusion Development Agreement" (EFDA) zusammengeschlossenen Fusionsarbeiten wird (siehe IPP-Info 7/00).

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